Onkel Tom's Blog-Hütte... - oder so. ;)


Mal wieder ein neuer Name für diesen Teil meiner Home-Page. Mal sehen, ob ich unter dieser Überschrift fleißig, diszipliniert genug bin, den Plan durchzuziehen. Was ist der Plan? Ich werde in loser Folge Texte veröffentlichen - die Texte, die ich beim Slam vorgetragen habe, oder Texte alter oder neuer Songs. Lyrik und Prosa, lustig oder ernst - es wird alles dabei sein.

Ihr seid gespannt? Ich bin es auch.


Den neuesten Text findet ihr,

wenn ihr auf eurem Keyboardzeitgleich die Tasten [Strg] und [F] drückt,

dann in das so entstehende Suchfeld die folgende laufende Nummer eintragt

und abschließend auf "Enter" drückt.

 

Laufende Nummer: 005


001

 

Als allererstes, quasi als Opener, möchte ich hier einen alten Text von mir veröffentlichen, den ich mal als ironische Antwort auf einen Kommentar zu meinen Songtexten geschrieben habe. Irgendein Rezensent sah sich gemüßigt, meine Texte mit Kinderreimen auf Vorschulniveau gleichzusetzen. Das hat mich ehrlich gesagt etwas gewurmt, da ich recht stolz darauf bin, in Gedichtform mit gefälligen Reimen mit wenigen Worten  viel zu erzählen und das auch noch in einer Sprache, die nicht allzu gekünstelt oder hochgestochen wirkt. Die oft sehr einfach wirkenden Texte sind zumeist das Ergebnis wochelangen Überarbeitens und Verbesserns. Ich schleife die Texte immer wieder, bis sie sowohl rhythmisch als auch von der Vokalmelodie nicht mehr "typisch deutsch" klingen. Das bedeutet: verzichte soweit es geht "ch", verwende mehr "A", "E", "O" und "U" als "I" und vermeide möglichst harte S- und Zisch-Laute. Wenn man dann noch bei den betonten Silben auf einen guten "Flow" achtet, passt sich der Text gut in die Musik ein und sticht nicht mehr so sehr hervor, wie deutsche Texte das leider of auf unangenehme Weise tun. Dass die Texte dadurch, dass sie nun geschmeidig in die Gehörgänge gleiten, auf den unbedarften Hörer einfach wirken, liegt in der Natur der Dinge. Aber - hey - es sind ja nur Kinderreime auf Vorschulniveau. Darum dieses Gedicht:

 

 

Lyrik

 

So ein bisschen Lyrik

ist doch gar nicht schwyrik

man muss nur was reim

und streng dabei bleim

das Versmaß zu wahren

am Sinn kann man spahren

und eins und zwei fix

so mir und dir nix

hat man es vollbracht

und Lyrik gemacht

 

 

Eine zusätzlich Ironische Komponente erhält das Gedicht, wenn man weiß, dass das (Un)Wort "machen" für mich - gemäß einer Definition meines Vater - der "Wurmfortsatz der Deutschen Sprache" ist. Man muss dieses Wort nicht verwenden. Man kann eine stundenlange Unterhaltung führen, ohne ein einziges mal auf "machen" zurückgreifen zu müssen. Dafür ist es allerdings notwendig, das, was man sagen will, vorher zu überdenken, und sich die Sätze, die man formulieren möchte, schon mal im Kopf zurecht zu legen, bevor man sie ausspricht.

Man muss sich halt vorher mal Gedanken machen. 

Oder besser: man muss halt vorher nachdenken. ;)


002

 

Heute ein Text, der mir sehr am Herzen liegt. Aus ihm stammt das Zitat auf meiner Homepage, das rechts unter dem Foto. In seiner Urform habe ich ihn schon in den 90ern geschrieben, als ich zu meiner Zeit bei den White Lines nach einer durchzechten Nacht durch die Straßen Neumünsters lief und mir ein junger "100 % authentic Rockabilly" entgegenkam. Der warf mir einen skeptischen Blick zu, weil ich ihm mit Base-Cape auf dem Kopf, ohne die obligat umgeschlagene Jeans, ohne (damals noch hochmodern) Holzfällerkarohemd und in ganz normalen Straßenschuhen entgegen kam. Das passte für ihn gar nicht zu einem "echten Rock'n'Roller", der ich als Rhythmus-Gitarrist der Lokalmatadoren ja schließlich zu sein hatte. Nun, der Text hält sich ziemlich genau an den Originaldialog und der Refrain sagt aus, was ich immer noch denke und was ich immer noch leben.

 

Rock'n'Roll im Herzen

 

als ich neulich wieder einmal durch die Gegend gehe

und aus irgendeinem Grund keine Locke trage

treff ich einen jungen Rock'n'Roller, den ich schon ne Weile kenn

wie ich ihm dann direkt gegenüber stehe

höre ich doch wirklich diese eine Frage

"ey, Alter, wie kann man nur so durch die Gegen renn"

 

und ich sag zu ihm, hör mir mal gut zu

es geht dich einen Scheißdreck an, was ich wann und warum tu

und Rock'n'Roll, das ist doch nicht nur

das Tragen von Klamotten oder einer Frisur

 

Rock'n'Roll ist in deinem Herzen

und nicht irgendwo

Rock'n'Roll ist in deiner Seele

oder nirgendwo

Rock'n'Roll ist in deinem Leben, ja ja

und wenn er dich erst einmal hat, bleibt er für immer da

 

er sagt, okay, das ist mir schon klar

doch wenn ich dich seh, dann wüsst ich schon gern

was du darstellen willst, mit dem Outfit, das du trägst

ich sage zu ihm, ich stell hier gar nichts dar

ich bin ich, und die Damen und die Herr'n

von er Szene-Polizei sind egal, wenn du mal überlegst

 

denn Creepers oder Boots, Lederjacke oder Drape

Crew-Cut, Tolle oder Flat, ganz ehrlich, darauf geb'

ich nicht wirklich viel, denn eines ist doch klar

Rock'n'Roll das ist nicht nur ein Mode-Accessoire

 

Rock'n'Roll ist in deinem Herzen

und nicht irgendwo

Rock'n'Roll ist in deiner Seele

oder nirgendwo

Rock'n'Roll ist in deinem Leben, ja ja

und wenn er dich erst einmal hat, bleibt er für immer da

 

Fun-Fact im Nachklapp: der "100% authentic Rockabilly" wurde schon lange nicht mehr auf Konzerten oder anderen Rock'n'Roll-Veranstaltungen gesehen. Und als er mir vor einiger Zeit in Kiel beim Aldi begnete, bekam ich den Eindruck, dass er ein spießiger Familienvater mit Gummibaum in seinem Büro, in dem er als Verwaltungsfachangestellter sein Dasein frisstet, geworden ist. Die Stinofrisur, der Nylonbluson und die Körpersprache wirkten jedenfalls so. ;)


003

 

Am zweiten März stand ich nach über einem Jahr das erste Mal wieder auf einer Poetry Slam Bühne. Ist leider nicht so gut gelaufen, wie erhofft. Und ich hatte gar nicht mal viel erhofft. Aber wahrscheinlich mal wieder zuviel von mir erwartet. Sich selbst unter Druck zu setzen ist der falsche Weg - ich weiß es, aber das abzustellen ist so unendlich schwierig. Der erste Text, der, der mir sehr am Herzen liegt, ging dann auch amtlich in die Hose. Der zweite Text lief besser. Das war dieser hier:

 

FRAGEN

 

 

 

Frage über Fragen

 plagen mich an manchen Tagen

schlagen mir auf den Magen

und bereiten mir Unbehagen

jagen

mir im Gehirn herum

bringen den Schädel zum brumm

Doch warum

Das so ist,

 dass man den ganzen Mist

einfach nicht vergisst

das kann ich echt nicht sagen

an manchen Tagen

frage ich mich einfach nach dem Sinn des Seins

dem Sinn des Lebens

nicht deins oder meins

nein, irgendeins

ich mein, es muss doch etwas geben

wofür wir uns jeden Morgen erheben

ein Ziel nach dem wir streben

oder gibt es da etwa keins

sind wir etwa vergebens

hier auf diesem Planeten

hat Gott uns hier vergessen

und wenn ja, hilft es dann noch zu beten

wenn sich währenddessen

all die andern wie besessen stressen

nur wegen der Moneten

der Kohle, Zasters

zur Finanzierung ihres Lasters

vielleicht ist es wirklich so, dass erst wenn die Pumpe schweigt

sich zeigt

ob Gott dir zugetan ist, oder abgeneigt

vielleicht ist dann aber auch alles aus und vorbei

und ob du gut warst oder schlecht

immer fair und gerecht

oder fies und gemein

ob nun groß oder klein

ein Leben lang allein

oder immer mit dabei

ist dann völlig einerlei

 

das sind die Fragen, die an und in mir nagen,

aber was mich daran am meisten stört

sind ohne jeden Unterschied

die Antworten, denn das sind Sprüche,

und die hat man schon so oft gehört

wie dieses kleine Kinderlied: 

 

der, die, das

wer, wie, was

wieso, weshalb, warum

wer nicht fragt bleibt dumm

 

ach fall tot um

was bringt es mir denn, wenn ich neugierig bin

bleibt mein Gegenüber stumm

hat das alles keinen Sinn

und ich beginn

leise zu summ‘

weil man so die Angst besiegt

die man bekommt, wenn man auf Fragen keine Antworten kriegt

und ich beginn mich zu fragen, was hab ich verkehrt gemacht

entweder sie sagen nichts, oder sie erzählen mir Märchen aus tausend und einer Nacht

und ich habe ja gedacht

wenn ich frage,

werd' ich schlauer

doch betracht‘

ich dieser Tage

mein Leben

mal genauer

wurd ich nach dem Abgeben

von meinem Fragebogen

um die Antworten mal eben

mit einem Lächeln betrogen

und bin dann wohl erzogen

über’s Kuckucksnest geflogen

wurd‘ belogen

von gehirntoten

Idioten

Möchterndespoten

die versuchten auszuloten

 wie weit sie gehen müssen, bis ich endlich verzage

und nicht mehr diese lästigen Fragen frage

 

aber glaubt mir, wenn ich sage

sie haben sich verschätz

egal, wie oft und sehr man mich verletzt
die Neugierde in mir bleibt

denn sie bringt mich voran,

sie es ist, was mich antreibt

und vielleicht wird mir ja irgendwann

wenn auch nicht jetzt

keine Antwort mehr verwehrt

sondern alles erklärt

und auseinander gesetzt

auch wenn ich's nicht zu glauben wage
ist es doch so und steht außer Frage,
die Hoffnung stirbt zuletzt

 


004

 

Diesen Text habe ich die letzten beiden Mal bei den Slams in Kiel vorgetragen, im März in der Pumpe und im April in der Schaubude. Es ist ein Text, der mir sehr, sehr am Herzen liegt, denn er entspricht zu 100% der Wahrheit. Ich bin zwar in Schwerin aufgewachsen (ich vermeide zu sagen, dass ich da groß geworden bin, denn das wäre ja gelogen), aber gefühlt bin ich Kieler, durch und durch - "Natural born Kieler" sozusagen. Und auch wenn der Text ursprünglich für einen Song geschrieben wurde, welcher dann auf dem zweiten Album der Holstein Rockets erschienen ist, so funktioniert er auch wunderbar bei Poetry Slams - aber eben nur in meiner Wahlheimatstadt - nur in Kiel!

 

WIEDER NACH KIEL

 

Ich wurde hier nicht geboren und manchmal muss ich mich echt fragen:

was um alles in der Welt hat mich hierher verschlagen?

Ich sag es euch: die Liebe war's und es ist nicht mal gelogen,

wenn ich sage ohne SIE wär ich nie hergezogen,

in diese "Großstadt"! Ich sag es, und ich grins,

denn hier fühlt man sich doch manchmal eher wie in der Provinz.

Doch nun wohne ich hier - und ich leb hier wirklich gern,

denn allmählich habe ich diese Stadt lieben gelernt.

 

Manchmal zieht's mich in die Ferne, manchmal gar ein ganzes Stück,

doch irgendwann kommt stehts der Punkt, da möchte ich nach Haus zurück.

Ja, jede noch so lange Reise hat am Ende nur ein Ziel:

ich will wieder zurück nach Haus

ich will wieder nach Kiel.

 

Ja, hier verbrachten wir schon manchen Traum von Sommertag,

ob nun in der Forstbaumschule oder im Schrevenpark,

im Gehölz von Düsternbrook, Projensdorf oder am Kanal,

oder am Holtenauer Leuchtturm mit Blick auf's Ehrenmal.

Und gab's mal Stress - privat, auf Arbeit oder mit einer Behörde -

dann find' ich meinen Seelenfrieden unten an der Förde,

in Falkenstein am Strand, ach überall, wo sich weiße Segel sonn'!

Sowas findste nicht nicht in Frankfurt, Chemnitz, Bochum oder Bonn.

 

Ähnlich wohl fühl ich mich noch in Hamburg an der Elbe.

Doch bleiben wir mal ehrlich, das ist nicht ganz dasselbe.

Ja, jede noch so tolle Reise hat am Ende nur ein Ziel:

ich will wieder zurück nach Haus,

ich will wieder nach Kiel.

 

Denn - auf der Kieler Woche sind wir doch jedes Jahr.

Oder bei Live-Konzerten in der Traum-GmbH,

der Schaubude, der Pumpe, in der Räucherei, im MAX

und ansonsten sind ja Partys im Bergstraßenkomplex.

Und wenn im Holsteinstadion die Störche wieder Fliegen

und in der Ostseehalle die Zebras wieder siegen,

ja, dann ist MEINE Stadt, so wie ich sie am liebsten seh':

am Feiern vom Olympia-Hafen bis zur HDW,

 

von Gaarden bis nach Mettenhof, von Wellsee bis zur Wik.

Ja, diese Stadt ist vielleicht nicht die schönste in der Republik,

doch jede noch so schöne Reise hat am Ende nur einer Ziel:

ich will wieder zurück nach Haus

ich will wieder nach Kiel.

 


005

 

Heute gibt es mal einen kürzeren Text von mir. Ein Text, der schon über 30 Jahre alt ist. Den ich damals geschrieben haben, weil ich einsam und gefrustet war, aber keine Lust hatte zu resignieren. Seltsam, wie sich manches wiederholt. Heute geht es mir ebenso, und darum passt dieses kurze Gedicht auch wunderbar in die Gegenwart.

 

FRUST

 

Ich hab...

auch mal gedacht,

es wird nie gelacht.

auch mal geglaubt,

das Glück sei geraubt.

immer gewusst,

das ist der Frust.

eingesehen,

es muss was geschehen.

 

Und so...

kommt die Zeit,

da ist es soweit.

kommt der Tag,

an dem ich mir sag:

das ist die Stunde,

von Mund zu Munde

einen Kuss

und Schluss