Onkel Tom's Blog-Hütte... - oder so. ;)


Mal wieder ein neuer Name für diesen Teil meiner Home-Page. Mal sehen, ob ich unter dieser Überschrift fleißig, diszipliniert genug bin, den Plan durchzuziehen. Was ist der Plan? Ich werde in loser Folge Texte veröffentlichen - die Texte, die ich beim Slam vorgetragen habe, oder Texte alter oder neuer Songs. Lyrik und Prosa, lustig oder ernst - es wird alles dabei sein.

Ihr seid gespannt? Ich bin es auch.


Den neuesten Text findet ihr,

wenn ihr auf eurem Keyboard zeitgleich die Tasten [Strg] und [F] drückt,

dann in das so entstehende Suchfeld die folgende laufende Nummer eintragt

und abschließend auf "Enter" drückt.

 

Laufende Nummer: 011


001

 

Als allererstes, quasi als Opener, möchte ich hier einen alten Text von mir veröffentlichen, den ich mal als ironische Antwort auf einen Kommentar zu meinen Songtexten geschrieben habe. Irgendein Rezensent sah sich gemüßigt, meine Texte mit Kinderreimen auf Vorschulniveau gleichzusetzen. Das hat mich ehrlich gesagt etwas gewurmt, da ich recht stolz darauf bin, in Gedichtform mit gefälligen Reimen und wenigen Worten  viel zu erzählen und das auch noch in einer Sprache, die nicht allzu gekünstelt oder hochgestochen wirkt. Die oft sehr einfach wirkenden Texte sind zumeist das Ergebnis wochelangen Überarbeitens und Verbesserns. Ich schleife die Texte immer wieder, bis sie sowohl rhythmisch als auch von der Vokalmelodie nicht mehr "typisch deutsch" klingen. Das bedeutet: verzichte soweit es geht auf "ch", verwende mehr "A", "E", "O" und "U" als "I" und vermeide möglichst harte S- und Zisch-Laute. Wenn man dann noch bei den betonten Silben auf einen guten "Flow" achtet, passt sich der Text gut in die Musik ein und sticht nicht mehr so sehr hervor, wie deutsche Texte das leider of auf unangenehme Weise tun. Dass die Texte dadurch, dass sie nun geschmeidig in die Gehörgänge gleiten, auf den unbedarften Hörer einfach nur einfach wirken, liegt in der Natur der Dinge. Aber - hey - es sind ja nur Kinderreime auf Vorschulniveau. Darum dieses Gedicht:

 

 

Lyrik

 

So ein bisschen Lyrik

ist doch gar nicht schwyrik

man muss nur was reim

und streng dabei bleim

das Versmaß zu wahren

am Sinn kann man spahren

und eins und zwei fix

so mir und dir nix

hat man es vollbracht

und Lyrik gemacht

 

 

Eine zusätzlich Ironische Komponente erhält das Gedicht, wenn man weiß, dass das (Un)Wort "machen" für mich - gemäß einer Definition meines Vater - der "Wurmfortsatz der Deutschen Sprache" ist. Man muss dieses Wort nicht verwenden. Man kann eine stundenlange Unterhaltung führen, ohne ein einziges mal auf "machen" zurückgreifen zu müssen. Dafür ist es allerdings notwendig, das, was man sagen will, vorher zu überdenken, und sich die Sätze, die man formulieren möchte, schon mal im Kopf zurecht zu legen, bevor man sie ausspricht.

Man muss sich halt vorher mal Gedanken machen. 

Oder besser: man muss halt vorher mal nachdenken. ;)


002

 

Heute ein Text, der mir sehr am Herzen liegt. Aus ihm stammt das Zitat auf meiner Homepage, das rechts unter dem Foto. In seiner Urform habe ich ihn schon in den 90ern geschrieben, als ich zu meiner Zeit bei den White Lines nach einer durchzechten Nacht durch die Straßen Neumünsters lief und mir ein junger "100 % authentic Rockabilly" entgegenkam. Der warf mir einen skeptischen Blick zu, weil ich ihm mit Base-Cape auf dem Kopf, ohne die obligat umgeschlagene Jeans, ohne (damals noch hochmodern) Holzfällerkarohemd und in ganz normalen Straßenschuhen entgegen kam. Das passte für ihn gar nicht zu einem "echten Rock'n'Roller", der ich als Rhythmus-Gitarrist der Lokalmatadoren ja schließlich zu sein hatte. Nun, der Text hält sich ziemlich genau an den Originaldialog und der Refrain sagt aus, was ich immer noch denke und was ich immer noch leben.

 

Rock'n'Roll im Herzen

 

als ich neulich wieder einmal durch die Gegend gehe

und aus irgendeinem Grund keine Locke trage

treff ich einen jungen Rock'n'Roller, den ich schon ne Weile kenn

wie ich ihm dann direkt gegenüber stehe

höre ich doch wirklich diese eine Frage

"ey, Alter, wie kann man nur so durch die Gegen renn"

 

und ich sag zu ihm, hör mir mal gut zu

es geht dich einen Scheißdreck an, was ich wann und warum tu

und Rock'n'Roll, das ist doch nicht nur

das Tragen von Klamotten oder einer Frisur

 

Rock'n'Roll ist in deinem Herzen

und nicht irgendwo

Rock'n'Roll ist in deiner Seele

oder nirgendwo

Rock'n'Roll ist in deinem Leben, ja ja

und wenn er dich erst einmal hat, bleibt er für immer da

 

er sagt, okay, das ist mir schon klar

doch wenn ich dich seh, dann wüsst ich schon gern

was du darstellen willst, mit dem Outfit, das du trägst

ich sage zu ihm, ich stell hier gar nichts dar

ich bin ich, und die Damen und die Herr'n

von er Szene-Polizei sind egal, wenn du mal überlegst

 

denn Creepers oder Boots, Lederjacke oder Drape

Crew-Cut, Tolle oder Flat, ganz ehrlich, darauf geb'

ich nicht wirklich viel, denn eines ist doch klar

Rock'n'Roll das ist nicht nur ein Mode-Accessoire

 

Rock'n'Roll ist in deinem Herzen

und nicht irgendwo

Rock'n'Roll ist in deiner Seele

oder nirgendwo

Rock'n'Roll ist in deinem Leben, ja ja

und wenn er dich erst einmal hat, bleibt er für immer da

 

Fun-Fact im Nachklapp: der "100% authentic Rockabilly" wurde schon lange nicht mehr auf Konzerten oder anderen Rock'n'Roll-Veranstaltungen gesehen. Und als er mir vor einiger Zeit in Kiel beim Aldi begnete, bekam ich den Eindruck, dass er ein spießiger Familienvater mit Gummibaum in seinem Büro, in dem er als Verwaltungsfachangestellter sein Dasein frisstet, geworden ist. Die Stinofrisur, der Nylonbluson und die Körpersprache wirkten jedenfalls so. ;)


003

 

Am zweiten März stand ich nach über einem Jahr das erste Mal wieder auf einer Poetry Slam Bühne. Ist leider nicht so gut gelaufen, wie erhofft. Und ich hatte gar nicht mal viel erhofft. Aber wahrscheinlich mal wieder zuviel von mir erwartet. Sich selbst unter Druck zu setzen ist der falsche Weg - ich weiß es, aber das abzustellen ist so unendlich schwierig. Der erste Text, der, der mir sehr am Herzen liegt, ging dann auch amtlich in die Hose. Der zweite Text lief besser. Das war dieser hier:

 

FRAGEN

 

Frage über Fragen

 plagen mich an manchen Tagen

schlagen mir auf den Magen

und bereiten mir Unbehagen

jagen

mir im Gehirn herum

bringen den Schädel zum brumm

Doch warum

Das so ist,

 dass man den ganzen Mist

nicht einfach mal vergisst

das kann ich echt nicht sagen

an manchen Tagen

frage ich mich einfach nach dem Sinn des Seins

dem Sinn des Lebens

jetzt nicht deins oder meins

nein, irgendeins

ich mein, es muss doch irgendetwas geben

wofür wir uns jeden Morgen erheben

ein Ziel nach dem wir streben

oder gibt es da etwa keins

sind wir etwa vergebens

hier auf diesem Planeten

hat Gott uns hier vergessen

und wenn ja, hilft es dann noch zu beten

wenn sich währenddessen

all die andern wie besessen stressen

nur wegen der Moneten

der Kohle, Zasters

zur Finanzierung ihres Lasters

vielleicht ist es ja so, dass erst wenn die Pumpe schweigt

sich zeigt

ob Gott dir zugetan ist, oder abgeneigt

vielleicht ist dann aber auch alles aus und vorbei

und ob du gut warst oder schlecht

immer fair und gerecht

oder fies und gemein

ob nun groß oder klein

ein Leben lang allein

oder immer mit dabei

ist dann völlig einerlei

 

das sind die Fragen

die an mir nagen,

aber was mich daran am meisten stört

das sind Antworten

denn das sind Sprüche,

und die hat man schon so oft gehört

wie die Melodie

und den Beat von diesem Kinderlied: 

 

der, die, das

wer, wie, was

wieso, weshalb, warum

wer nicht fragt bleibt dumm

 

ach fall tot um

was bringt es mir denn, wenn ich neugierig bin

bleibt mein Gegenüber stumm

hat das alles keinen Sinn

und ich beginn

leise zu summ‘

weil man so die Angst besiegt

die man bekommt, wenn man auf Fragen keine Antworten kriegt

und ich beginn mich zu überlegen

was hab ich verkehrt gemacht

warum steh ich hier im Regen

und höre Märchen aus tausend und einer Nacht

ich habe gedacht

wenn ich frage,

werd' ich etwas schlauer

doch betracht‘

ich dieser Tage

mein Leben

mal genauer

wurd ich nach dem Abgeben

von meinem Fragebogen

um die Antworten mal eben

mit einem Lächeln betrogen

und bin dann wohl erzogen

über’s Kuckucksnest geflogen

wurd‘ belogen

von gehirntoten

Idioten

Möchterndespoten

die versuchten auszuloten

 wie weit sie gehen müssen, bis ich endlich verzage

und nicht mehr diese lästigen Fragen frage

 aber glaubt mir, wenn ich sage

sie haben sich verschätz

egal, wie oft und sehr man mich verletzt
die Neugierde in mir bleibt

denn sie bringt mich voran,

sie es ist, was mich antreibt

und vielleicht wird mir ja irgendwann

wenn auch nicht hier und jetzt

keine Antwort mehr verwehrt

sondern alles erklärt

und auseinander gesetzt

auch wenn ich's nicht zu glauben wage
ist es doch so und steht außer Frage,
mir steht offen zu Hoffen und am Ende aller Tage

liege ich vielleicht vom Glück besoffen auf einer Trage

alle Erwartungen wurden übertroffen, es bleibt keine offne Frage

aber ob das nun passiert oder ich mich bis zum Tode plage

das interessiert mich nicht, denn ich werde eh beigesetzt

und dann andere danebe, nur die Hoffnung bleibt am Leben

Moment mal eben: Stirbt die wirklich zuletzt?

 

Das sind die Fragen

die an mir nagen

aber was mich daran am meinsten stört

Das sind die Antworten

denn das sind Sprüche

und die haben wir alle schon viel zu oft gehört

 


004

 

Diesen Text habe ich die letzten beiden Mal bei den Slams in Kiel vorgetragen, im März in der Pumpe und im April in der Schaubude. Es ist ein Text, der mir sehr, sehr am Herzen liegt, denn er entspricht zu 100% der Wahrheit. Ich bin zwar in Schwerin aufgewachsen (ich vermeide zu sagen, dass ich da groß geworden bin, denn das wäre ja gelogen), aber gefühlt bin ich Kieler, durch und durch - "Natural born Kieler" sozusagen. Und auch wenn der Text ursprünglich für einen Song geschrieben wurde, welcher dann auf dem zweiten Album der Holstein Rockets erschienen ist, so funktioniert er auch wunderbar bei Poetry Slams - aber eben nur in meiner Wahlheimatstadt - nur in Kiel!

 

WIEDER NACH KIEL

 

Ich wurde hier nicht geboren und manchmal muss ich mich echt fragen:

was um alles in der Welt hat mich hierher verschlagen?

Ich sag es euch: die Liebe war's und es ist nicht mal gelogen,

wenn ich sage ohne SIE wär ich nie hergezogen,

in diese "Großstadt"! Ich sag es, und ich grins,

denn hier fühlt man sich doch manchmal eher wie in der Provinz.

Doch nun wohne ich hier - und ich leb hier wirklich gern,

denn allmählich habe ich diese Stadt lieben gelernt.

 

Manchmal zieht's mich in die Ferne, manchmal gar ein ganzes Stück,

doch irgendwann kommt stehts der Punkt, da möchte ich nach Haus zurück.

Ja, jede noch so lange Reise hat am Ende nur ein Ziel:

ich will wieder zurück nach Haus

ich will wieder nach Kiel.

 

Ja, hier verbrachten wir schon manchen Traum von Sommertag,

ob nun in der Forstbaumschule oder im Schrevenpark,

im Gehölz von Düsternbrook, Projensdorf oder am Kanal,

oder am Holtenauer Leuchtturm mit Blick auf's Ehrenmal.

Und gab's mal Stress - privat, auf Arbeit oder mit einer Behörde -

dann find' ich meinen Seelenfrieden unten an der Förde,

in Falkenstein am Strand, ach überall, wo sich weiße Segel sonn'!

Sowas findste nicht nicht in Frankfurt, Chemnitz, Bochum oder Bonn.

 

Ähnlich wohl fühl ich mich noch in Hamburg an der Elbe.

Doch bleiben wir mal ehrlich, das ist nicht ganz dasselbe.

Ja, jede noch so tolle Reise hat am Ende nur ein Ziel:

ich will wieder zurück nach Haus,

ich will wieder nach Kiel.

 

Denn - auf der Kieler Woche sind wir doch jedes Jahr.

Oder bei Live-Konzerten in der Traum-GmbH,

der Schaubude, der Pumpe, in der Räucherei, im MAX

und ansonsten sind ja Partys im Bergstraßenkomplex.

Und wenn im Holsteinstadion die Störche wieder Fliegen

und in der Ostseehalle die Zebras wieder siegen,

ja, dann ist MEINE Stadt, so wie ich sie am liebsten seh':

am Feiern vom Olympia-Hafen bis zur HDW,

 

von Gaarden bis nach Mettenhof, von Wellsee bis zur Wik.

Ja, diese Stadt ist vielleicht nicht die schönste in der Republik,

doch jede noch so schöne Reise hat am Ende nur einer Ziel:

ich will wieder zurück nach Haus

ich will wieder nach Kiel.

 


005

 

Heute gibt es mal einen kürzeren Text von mir. Ein Text, der schon über 30 Jahre alt ist. Den ich damals geschrieben haben, weil ich einsam und gefrustet war, aber keine Lust hatte zu resignieren. Seltsam, wie sich manches wiederholt. Heute geht es mir ebenso, und darum passt dieses kurze Gedicht auch wunderbar in die Gegenwart.

 

FRUST

 

Ich hab...

auch mal gedacht,

es wird nie gelacht.

auch mal geglaubt,

das Glück sei geraubt.

immer gewusst,

das ist der Frust.

eingesehen,

es muss was geschehen.

 

Und dann...

kommt die Zeit,

da ist es soweit.

kommt der Tag,

an dem ich mir sag:

das ist die Stunde,

von Mund zu Munde

einen Kuss

und Schluss

 


006

 

Beim Poetry Slam im Stellwerk Hamburg habe ich von Arne letztens eine Urkunde als bester "Text Triathlet" überreicht bekommen. Weil ich drei Texte vorgetragen haben. Ja, drei. Meine Texte sind oft nicht so lang. Bin ich ja auch nicht. Der erste Text war aus dem Bereich "Lyrik" und hieß "Lyrik" (Text 001 in dieser Blog-Hütte). Der zweite Text war auch ein Gedicht und hieß "Gedicht". Interessanterweise fanden die Leute in lustig. Das hat mich verwirrt. Hier ist er:

 

GEDICHT

 

geh' dicht

an der Wand entlang, wenn es regnet

geh' dicht

an ein Bild heran um die Details zu seh'n

geh' dicht

neben deinem Schatz her, wenn er dir begegnet

geh' dicht

zur Arbeit, und du hast ein Problem

 


007

 

Heute möchte ich euch hier einen Text hinterlassen, den ich vor vielen Jahren als Songtext geschrieben habe. Und wie bei vielen Texten von damals, fällt mir heute auf, dass ich damals eigentlich schon wusste, worum es geht, es aber irgendwie nie wirklich verinnerlicht habe. Es scheint, als hätte ich mich selbst warnen aber nicht auf mich hören wollen. Heute weiß ich es:

 

ERWARTUNGEN

 

wenn man etwas erwartet

 hilft es nicht, wenn man wartet

die Traumgebilde wartet

und Hirngespinnste webt

während man über Wolken schwebt

weil man so wohl noch versäumt

wenn das, was man erträumt

klammheimlich in Erfüllung geht

 

ein strahlend heller Stern klebt dort an deinem Himmelszelt

und täglich betest du ihn an und darum, dass er runter fällt

doch liegt er endlich wie erhofft zum greifen nah im Alltagsdreck

dann starrst du immer noch nach oben - doch dein Funkelstern ist weg

 

ja, man wartet zuweil ewig, bis eine Erwartung sich erfüllt

und wundert sich, dass sich das Schicksal offenbar in Schweigen hüllt

doch Fakt ist, dass man sich oft durch Erwartungen beschränkt

denn erstens kommt’s eh anders und zweitens als man denkt

 

vielleicht war all das, was Du nun hast, irgendwann sogar dein Traum

 doch Träume ändern sich gelegentlich und du erinnerst nun dich kaum

jetzt, wo sich dein Traum erfüllt, wird es von dir nicht registriert

denn du bist inzwischen voll und ganz auf einen neuen Traum fixiert

 

nicht dass man jetzt von seinem Leben gar nichts mehr erwarten soll

oder wie Sisyphus den Stein nur immer bis ganz kurz untern Gipfel rollt

denn dann wird man ja nie erfahren welcher Wind da oben weht

und ob es, wenn man übern Berg ist, sofort wieder abwärts geht

 

aber erinnert man nicht mehr, all das, was man einmal erträumte

werden Chancen bald nur noch sortiert in verpasste und versäumte

denn sich im Strom so treiben lassen, fällt ja niemandem sehr schwer

aber wenn du durstig bist, musst du zur Quelle, nicht das Meer

 

oder so ungefähr

 

ja, wenn man etwas erwartet

hilft es nicht, wenn man wartet

die Traumgebilde wartet

und Hirngespinnste webt

während man über Wolken schwebt

weil man so wohl noch versäumt

wenn das, was man erträumt

klamm heimlich in Erfüllung geht

 


008

 

Am 13.12.2018 habe ich mal wieder im Hamburger Stellwerk auf der Bühne gestanden und bin zum zweiten Mal ins Finale gekommen. Der Text, mit dem ich die Jury überzeugen konnte, handelt davon, warum ich überhaupt angefangen habe, Texte zu schreiben, zu musizieren. Na ja, vielleicht was das keine bewusste Entscheidung, aber ich denke, dass ich mir so einen Weg geschaffen habe, um zu kommunizieren, mich auszudrücken. Denn ohne all das, ohne die Texte, ohne die Musik, tat ich mich in jungen Jahren damit wirklich schwer. Hier ist er also der Text, der etwas länger ist - aber vielleicht mag ihn ja dennoch wer lesen.... ;)

 

MIT MEINER MUSIK

 

Am Freitagabend sitzt mir so ein Mädel gegenüber

 und ich schaue dauernd rüber

 und ich fange an zu überlegen,

 wie kann man sich auf ’ne Frau wie diese zu bewegen

 ohne dabei sofort Abneigung zu erregen?

 Ich beginne abzuwägen, was ich wohl sagen kann,

 was ich sie fragen kann,

ob ich’s überhaupt wagen kann

 

Und hab die ganze Zeit so’n Kribbeln im Magen dann

 spreche ich sie an

 „Hey, du…“

 und im Nu

 ist da dies Gefühl partout

alles falsch zu machen…

da schaut sie mir in die Augen und beginnt zu lachen.

 

Und ich werde sofort rot.

 Und sage zu ihr: „Ich komm mir vor, wie ein Idiot!“

 Sie lacht: „Hey, ist doch egal.“

 Ich sag: „Ansonsten rede ich auch wie ein Wasserfall!

 

Doch treffe ich auf Frauen, die mich interessieren,

 ja, dann kann es schon passieren,

 dass sie mich irritieren.

 Und dann sage ich keinen Mucks.

 

Oder, oder ich, ich drucks…  herum.

 Und ich kann dir nicht mal sagen, warum!

 Oder ich sitze da und schwitze,

 erzähle viel zu viele Witze

 und vergehe fast vor Hitze,

 denn mein Herz, das brennt,

 und mein Kopf der glüht.

 Doch auch damit hab ich mich schon viel zu oft umsonst bemüht.

 

  Denn so viele gingen einfach weg.

 Und meine Gefühle? Die interessierten sie einen Dreck.

 Aber dich könnt ich betören.

 Möchtest du vielleicht ein paar Lieder von mir hören?“

 

Weißt du, mit meiner Musik fühl ich mich einfach befreiter.

 Mit meiner Musik fühle ich mich ungezwungen.

 Mit meiner Musik komme ich oft etwas weiter.

 Mit meiner Musik ist mir schon einiges gelungen.

 Denn mit meiner Musik, da sage ich, was ich denke.

Und mit meiner Musik, da zeige ich, was ich fühl.

 Also, hast du vielleicht was dagegen, wenn ich dir meine Musik vorspiel‘?

 

Sie sagt: „Nein, komm und verwöhne mich,

 sing mir ein paar Töne. Ich

 habe Worte zu Noten

 noch nie wem verboten.“

 

Und ich? Ich versuche sofort auszuloten,

 ob sie das alles wirklich so meint,

oder ob da irgendwie Ironie

 mitzuschwingen oder auch nur anzuklingen

 scheint.

 

Doch sie ist in dem, was sie sagt, scheinbar ehrlich.

 Und das ist ja eigentlich auch herrlich,

 also, so positiv und offen eingestellt,

Doch auf mich wirkt es irgendwie gefährlich,

 Ich fühle mich, als stünde ich in einem Minenfeld.

 Wer weiß ein falscher Schritt,

 ein falscher Ton,

 und dann setzt es einen Tritt

 und dann war es das auch schon?

 

Und ich gestehe ihr,

wie ich das sehe, wir

 schauen uns kurz an

 und dann

sagt sie: „Hey, ich geh

 mit dir ja d‘accord.

 Doch so wie ich es seh‘,

 brauchst du mehr Humor.

 Spiele deine Lieder

 überall und immer wieder

 möglichst vielen Leuten vor.

 Dann schenkt dir irgendwann sicher auch irgendwer ein Ohr.

 

Weiß du, auch ich schreibe ab und an

 ein Gedicht

 nicht nur für mich

 und ich kann

 ich dich darum gut verstehen.

 Doch irgendwann

 bei Licht besehen

 ist egal, was all die anderen denken.

 Also lass dich von deren Gedanken

 doch bitte nicht lenken.

 Hör auf zu schwanken

 und überleg

 dir jenseits ihrer Schranken

 deinen eigenen Weg.

 Du musst dir selber mehr Beachtung schenken!“

 

Und ich sage: „Ja, klar, da ist was dran.

 Aber ich kann… - also… - auch wenn ich es eigentlich gerne will,

 das ist mir hier gerade alles viel zu still.

 Und ich bin nüchtern und nüchtern bin ich schüchtern.

 Also ich weiß nicht, ob ich Dir

 heute, jetzt und hier

 einfach so irgendetwas vorsingen kann.“

 

Sie antwortet: „Doch! Du du kannst!

 Ich erwarte ja gar nicht, dass Du dazu auch tanzt.

 Aber, hey, ich würde wirklich gern ein paar Lieder von dir hörn

 doch vorher - musst mir bitte noch etwas erklär’n.“

 

Ich frag: „Du meinst jetzt aber nicht die Sache mit den Damen und den Herr’n?“

 

Da lacht sie: „Nee, die hab ich schon lange kapiert.

 Aber ich habe auch registriert,

 du wärst sehr gern mit mir leiert.

 Und das ist es, wo ich dir nicht folgen kann,

 das musst mir mal erklären, man.

 Warum bist du an mir so interessiert?“

 

Sie sagt: „Du kennst mich doch kaum

 und es gibt so viele Frau’n!

 Du brauchst dich doch in diesem Raum

 nur einmal gründlich umzuschau’n!“

 

Ich sage leis:

 „Ich weiß.

 Aber bitte hab Vertrau’n.

 Ja, ich kenn dich nicht.

 Aber gelegentlich

 sehe ich Dich

 also dein Gesicht

 in einem Traum.“

 

Und dann erzähl ich ihr

 von meinen Träumen und was in ihnen so passiert.

 Und ich summe eine kleine Melodie

 und irgendwie gewinne ich so ihre Sympathie.

 Und dann sing ich ihr einen Text

 und offenbar ist sie davon total verhext.

 Denn schon nach dem dritten Lied… (*kichern*)

 …ich darf doch bitten… - nein, ich verrate NICHT, was dann geschieht.

 

Nur soviel, mit meiner Musik fühle ich mich viel befreiter.

 Mit meiner Musik fühle ich mich ungezwungen.

 Mit meiner Musik komme ich sehr oft sehr viel weiter.

 Mit meiner Musik ist mir schon viel gelungen.

 Denn mit meiner Musik, da sage ich, was ich denke.

 Und mit meiner Musik, da zeige ich, was ich fühl.

 Ich hoffe, ihr habt nichts dagegen, wenn euch irgendwann mal meine Musik vorspiel‘.

 


009

 

Na? Habt ihr in letzter Zeit auch mal wieder gewartet? Und die Ungeduld wurde größer und größer? Ihr habt immer wieder aus dem Fenster und auf die Uhr gesehen? Hab euch gefragt, wo bleibt sie / er denn nur? Dann ist das hier euer Gedicht:

 

AUSRASTER

 

Wie lange ich nun wohl schon auf sie warte.

Und das ja nun auch nicht zum ersten Mal.

Was ich dabei zutiefst empfinde

und fühle ist hier offenbar egal.

 

Immer wieder schaue ich im Internet nach,

 doch es ist noch immer keine Email angekommen

Ich habe auch schon so oft angerufen.

Aber leider hat ja keiner abgenommen.

 

Hab ich vielleicht die Haustürklingel überhört?

Nein, auch der Briefkasten ist gähnend leer.

Keine WhatsApp, keine SMS!

So langsam weiß ich wirklich auch nicht mehr.

 

Betrübt schaue ich weiterhin zum Fenster raus.

 Wenn sie jetzt ankommt, dann gibt es kein Applaus.

 Zu warten ist mir nämlich echt ein Graus.

Ich glaub, so langsam raste ich hier aus.

 

Ganz ehrlich? Was soll ich denn noch anstellen?

Da höre ich es plötzlich an der Haustür schellen.

 Ey! Drei Tage nur, das ging ja wirklich schnell.

Da sag ich doch: Hurra!

Nun ist sie endlich da!

 Meine Expresssendung per DHL.

 


010

 

Das Gedicht, welches ich euch hier heute hinterlassen möchte, war - wie sollte es anders sein, auch einmal ein Songtext. Ich habe ihn geschrieben, als ich mich in einem Gespräch mal wieder habe hinreißen lassen, den Punkt, an dem ich hätte aufhören sollen, nicht erkannt und dann wieder einmal Dinge gesagt hatte, die in dem Kontext, in der Situation oder vor dem Gesprächspartner besser ungeäußert geblieben wären. Ich fragte mich mich hochrotem Kopf: "Warum zum Henker kann ich nicht endlich einmal meine Klappe halten?" Aber dann fiel mir ein, dass es auch schon viel zu oft in meinem Leben die genau entgegengesetzte Situation gab - ich sah eine Person oder stand bereits vor mir, und wusste partout nicht, was ich sagen soll, Situationen eben, in denen ich dachte :"Warum zum Henker kann ich nicht entlich einmal meine Klappe aufreißen?" Aus diesen Gedanken ist dieser Text entstanden:

 

Pantomime

 

warum kann ich denn nicht endlich einfach einmal meine Klappe halten

ja, immer wieder rede ich ungefragt und viel zu viel

und so plaudere ich Dinge aus, die wirklich keinen etwas angehen

ja, wirklich niemanden, noch nicht einmal mich

kopflos rede ich mich um denselben und auch noch um meinen Kragen

es wär wohl besser, wär ich ab und an mal taub und stumm,

aber dafür nicht mehr ganz so blind, damit ich endlich einmal einen Fettnapf sehe

bevor der Fuß schon unaufhaltsam über ihm schwebt,

 

und mit hochrotem Kopf schleiche ich davon

 

manchmal bin ich dann auf ein kalkweißes Gesicht erpicht

jedoch nicht als Maxime

Hände und Füße bewegen ist okay, reden aber nicht

in etwa so, wie ein Pantomime

 

 warum krieg ich denn nicht endlich einfach einmal die Zähne auseinander

und sage, was mir schon so lange vorne auf der Zunge brennt

nein, lieber schlucke ich es runter oder fresse es in mich rein

bekomme davon Magenschmerzen, und manchmal sogar Fieber obendrauf

 

und dabei hätte ich doch so viel lieber Schmetterlinge im Bauch

 

manchmal fällt es mir wirklich so unglaublich schwer, schau her

und erkenne das Sublime

wortlos und immer auf Abstand schleiche ich dir hinterher

in etwa so, wie ein Pantomime

 

ich laufe dir hinterher, erzähl dir alles was ich weiß

und vieles, was mir nicht bekannt ist, erfinde ich dazu

bitte leih mir doch dein Ohr, dann habe ich wenigsten etwas von dir

und du sagst, hey, komm, bitte lasse mich ein wenig allein

so laufe ich gegen eine Wand, die es gar nicht gibt

und mein Mund formt einen stummen Schrei

da lächelst du mich an und gibst mir einen Gnadenkuss

 so als Abschluss, denn dann gehst du einfach weiter

 

und mit hochrotem Kopf schleiche ich davon

 

ja, manchmal bin ich dann auf ein kalkweißes Gesicht erpicht

jedoch nicht als Maxime

Hände und Füße bewegen ist okay, reden nicht

in etwa so, wie ein Pantomime

 

manchmal fällt es mir wirklich so unglaublich schwer, schau her

und erkenne das Sublime

wortlos und immer auf Abstand schleiche ich dir hinterher

in etwa so, wie ein Pantomime

 


011

 

Ein Text, der aus einer sehr unerfreulichen Zeit so etwa September 2017 entstanden ist, als ich von einem guten Bekannten fürchterlich verarscht wurde und, bei Freunden Rat suchend, von einigen dieser, wie ich heute weiß vermeintlichen, sehr enttäuscht. Der Text wird vielleicht auf dem nächsten Holstein Rockets Album als Song erscheinen. Und wenn da nicht, dann woanders. Denn dieser Tage ist er mir mal wieder vor die Füße gefallen, und ich merke, dass die, die ich meine Freunde nennen mag, nur sehr, sehr wenige sind und auch andere, als noch vor zwei Jahren. Hier also für euch meine Sicht auf Freundschaft:

 

 

FREUNDSCHAFT

weißt Du, zu Freundschaft

 

gehört Loyalität

 

weißt Du, in einer Freundschaft

 

gehört zu wissen, wo man denn steht

 

weißt Du, für eine Freundschaft

 

reicht es nicht wenn man mal ein säuft,

 

und dann beim Smalltalk

 

kurz fragt, wie es denn läuft

 

 

 

nein, bin ich dein Freund, dann bin ich der, der immer zu Dir steht.

 

und bin ich dein Freund, dann will ich wirklich wissen wie’s Dir geht.

 

und wenn Du Scheiße baust, dann sage ich es Dir auch klipp und klar.

 

aber wenn Du Hilfe brauchst, dann bin ich für Dich da.

 

 

 

denn weißt Du, zu Freundschaft

 

gehört auch Ehrlichkeit.

 

ja weißt Du, in einer Freundschaft

 

gibt es auch ab und mal Streit.

 

denn in einer Freundschaft

 

übt man auch mal Kritik

 

weil es um mehr geht als

 

als nur um Party und Musik

 

 

 

ja, bin ich dein Freund, dann bin ich der, der immer zu Dir steht.

 

und bin ich dein Freund, dann will ich wirklich wissen wie’s Dir geht.

 

und wenn Du Scheiße baust, dann sage ich es Dir auch klipp und klar.

 

doch wenn Du Hilfe brauchst, dann bin ich für Dich da.

 

 

 

 Ja, weißt Du, in einer Freundschaft

 

muss man sich nicht oft sehen

 

denn, weißt du, in einer Freundschaft

 

kann man sich blind verstehen

 

und in einer Freundschaft

 

da ist dein Feind mein Feind.

 

aber deine Freunde

 

können bestimmt auch meine sein

 

 

 

denn bin ich dein Freund, dann bin ich der, der immer zu Dir steht.

 

und bin ich dein Freund, dann will ich wirklich wissen wie’s Dir geht.

 

und wenn Du Scheiße baust, dann sage ich es Dir auch klipp und klar.

 

doch wenn Du Hilfe brauchst, dann bin ich für Dich da.