Onkel Tom's Blog-Hütte... - oder so. ;)


Mal wieder ein neuer Name für diesen Teil meiner Home-Page. Mal sehen, ob ich unter dieser Überschrift fleißig, diszipliniert genug bin, den Plan durchzuziehen. Was ist der Plan? Ich werde in loser Folge Texte veröffentlichen - die Texte, die ich beim Slam vorgetragen habe, oder Texte alter oder neuer Songs. Lyrik und Prosa, lustig oder ernst - es wird alles dabei sein.

Ihr seid gespannt? Ich bin es auch.


Den neuesten Text findet ihr,

wenn ihr auf eurem Keyboardzeitgleich die Tasten [Strg] und [F] drückt,

dann in das so entstehende Suchfeld die folgende laufende Nummer eintragt

und abschließend auf "Enter" drückt.

 

Laufende Nummer: 002


001

 

Als allererstes, quasi als Opener, möchte ich hier einen alten Text von mir veröffentlichen, den ich mal als ironische Antwort auf einen Kommentar zu meinen Songtexten geschrieben habe. Irgendein Rezensent sah sich gemüßigt, meine Texte mit Kinderreimen auf Vorschulniveau gleichzusetzen. Das hat mich ehrlich gesagt etwas gewurmt, da ich recht stolz darauf bin, in Gedichtform mit gefälligen Reimen mit wenigen Worten  viel zu erzählen und das auch noch in einer Sprache, die nicht allzu gekünstelt oder hochgestochen wirkt. Die oft sehr einfach wirkenden Texte sind zumeist das Ergebnis wochelangen Überarbeitens und Verbesserns. Ich schleife die Texte immer wieder, bis sie sowohl rhythmisch als auch von der Vokalmelodie nicht mehr "typisch deutsch" klingen. Das bedeutet: verzichte soweit es geht "ch", verwende mehr "A", "E", "O" und "U" als "I" und vermeide möglichst harte S- und Zisch-Laute. Wenn man dann noch bei den betonten Silben auf einen guten "Flow" achtet, passt sich der Text gut in die Musik ein und sticht nicht mehr so sehr hervor, wie deutsche Texte das leider of auf unangenehme Weise tun. Dass die Texte dadurch, dass sie nun geschmeidig in die Gehörgänge gleiten, auf den unbedarften Hörer einfach wirken, liegt in der Natur der Dinge. Aber - hey - es sind ja nur Kinderreime auf Vorschulniveau. Darum dieses Gedicht:

 

 

Lyrik

 

So ein bisschen Lyrik

ist doch gar nicht schwyrik

man muss nur was reim

und streng dabei bleim

das Versmaß zu wahren

am Sinn kann man spahren

und eins und zwei fix

so mir und dir nix

hat man es vollbracht

und Lyrik gemacht

 

 

Eine zusätzlich Ironische Komponente erhält das Gedicht, wenn man weiß, dass das (Un)Wort "machen" für mich - gemäß einer Definition meines Vater - der "Wurmfortsatz der Deutschen Sprache" ist. Man muss dieses Wort nicht verwenden. Man kann eine stundenlange Unterhaltung führen, ohne ein einziges mal auf "machen" zurückgreifen zu müssen. Dafür ist es allerdings notwendig, das, was man sagen will, vorher zu überdenken, und sich die Sätze, die man formulieren möchte, schon mal im Kopf zurecht zu legen, bevor man sie ausspricht.

Man muss sich halt vorher mal Gedanken machen. 

Oder besser: man muss halt vorher nachdenken. ;)


002

 

Heute ein Text, der mir sehr am Herzen liegt. Aus ihm stammt das Zitat auf meiner Homepage, das rechts unter dem Foto. In seiner Urform habe ich ihn schon in den 90ern geschrieben, als ich zu meiner Zeit bei den White Lines nach einer durchzechten Nacht durch die Straßen Neumünsters lief und mir ein junger "100 % authentic Rockabilly" entgegenkam. Der warf mir einen skeptischen Blick zu, weil ich ihm mit Base-Cape auf dem Kopf, ohne die obligat umgeschlagene Jeans, ohne (damals noch hochmodern) Holzfällerkarohemd und in ganz normalen Straßenschuhen entgegen kam. Das passte für ihn gar nicht zu einem "echten Rock'n'Roller", der ich als Rhythmus-Gitarrist der Lokalmatadoren ja schließlich zu sein hatte. Nun, der Text hält sich ziemlich genau an den Originaldialog und der Refrain sagt aus, was ich immer noch denke und was ich immer noch leben.

 

Rock'n'Roll im Herzen

 

als ich neulich wieder einmal durch die Gegend gehe

und aus irgendeinem Grund keine Locke trage

treff ich einen jungen Rock'n'Roller, den ich schon ne Weile kenn

wie ich ihm dann direkt gegenüber stehe

höre ich doch wirklich diese eine Frage

"ey, Alter, wie kann man nur so durch die Gegen renn"

 

und ich sag zu ihm, hör mir mal gut zu

es geht dich einen Scheißdreck an, was ich wann und warum tu

und Rock'n'Roll, das ist doch nicht nur

das Tragen von Klamotten oder einer Frisur

 

Rock'n'Roll ist in deinem Herzen

und nicht irgendwo

Rock'n'Roll ist in deiner Seele

oder nirgendwo

Rock'n'Roll ist in deinem Leben, ja ja

und wenn er dich erst einmal hat, bleibt er für immer da

 

er sagt, okay, das ist mir schon klar

doch wenn ich dich seh, dann wüsst ich schon gern

was du darstellen willst, mit dem Outfit, das du trägst

ich sage zu ihm, ich stell hier gar nichts dar

ich bin ich, und die Damen und die Herr'n

von er Szene-Polizei sind egal, wenn du mal überlegst

 

denn Creepers oder Boots, Lederjacke oder Drape

Crew-Cut, Tolle oder Flat, ganz ehrlich, darauf geb'

ich nicht wirklich viel, denn eines ist doch klar

Rock'n'Roll das ist nicht nur ein Mode-Accessoire

 

Rock'n'Roll ist in deinem Herzen

und nicht irgendwo

Rock'n'Roll ist in deiner Seele

oder nirgendwo

Rock'n'Roll ist in deinem Leben, ja ja

und wenn er dich erst einmal hat, bleibt er für immer da

 

Fun-Fact im Nachklapp: der "100% authentic Rockabilly" wurde schon lange nicht mehr auf Konzerten oder anderen Rock'n'Roll-Veranstaltungen gesehen. Und als er mir vor einiger Zeit in Kiel beim Aldi begnete, bekam ich den Eindruck, dass er ein spießiger Familienvater mit Gummibaum in seinem Büro, in dem er als Verwaltungsfachangestellter sein Dasein frisstet, geworden ist. Die Stinofrisur, der Nylonbluson und die Körpersprache wirkten jedenfalls so. ;)